Sul concetto di volto nel figlio di Dio

(Über das Konzept des Angesichts bei Gottes Sohn)

Romeo Castellucci / Socìetas Raffaello Sanzio (I)

Kaserne Basel Reithalle

Eintritt: CHF 35.-/20.-

Dauer: 60 Minuten
Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellung am 26. Mai mit Abt Peter von Sury und Pfr. Prof. Dr. Lukas Kundert. Moderation: Stephanie Gräve (Theater Basel)

Die Handlung dieses aufs Essenzielle verdichteten, kurzen, fast sprachlosen Theaterstücks ist ganz einfach, ja von geradezu elementarer Menschlichkeit, und doch, oder vielleicht gerade deswegen, wird einem das Zusehen fast unerträglich: In einem modernen, schneeweissen, eleganten Interieur begegnen sich ein Vater und sein erwachsener Sohn. 


Der Sohn, in Hemd und Krawatte, versucht, seinem alten, inkontinenten Vater die vollen Windeln zu wechseln. Doch das Waschen und Pflegen wird zur Sisyphusarbeit, die neue Windel ist gleich wieder voll. Ungeschickt beschmiert sich der hilflose alte Mann aufs Neue mit Kot. Verzweifelt und voll Scham über die eigene Unfähigkeit und Hinfälligkeit, entschuldigt sich der Vater immer und immer wieder beim Sohn. Der Sohn ‒ auch er zunehmend verzweifelt ‒ versucht ihn liebevoll und mit zärtlichen Gesten zu beschwichtigen.

Es ist ein trauriger, da hoffnungsloser Kampf mit der menschlichen Unzulänglichkeit, die einem den Atem stocken und die Seele brennen lässt. 

Die gerade mal 60­minütige, in ihrem Realismus quälend lange Szene lässt Castellucci vor einem riesigen Jesus ­Porträt des Renaissancemalers Antonello da Messina spielen. Mit grossen, weichen, etwas müden Augen überblickt dieser sanftmütige «Salvator mundi» das Geschehen auf der Bühne.

Vor diesem gigantisch vergrösserten Antlitz des «Weltenretters» erscheinen sowohl die zärtliche Hingabe, mit der der Sohn seinen Vater pflegt, wie das Leiden des Vaters an sich selbst, am Leben und an der Vergänglichkeit in einem anderen Licht.

«Castellucci zeigt, dass Theater im Idealfall mehr kann als jede andere Kunstform, als jede andere Vermittlungsform von Inhalt. Die Wucht der Darstellung legitimiert die Aussage.» (Süddeutsche Zeitung)

Romeo Castellucci erhält den Goldenen Löwen der Biennale Venedig für sein Lebenswerk. Dem italienischen Regisseur wird die Auszeichnung am 2. August 2013 während der 42. Ausgabe des Internationalen Theater Festivals in Venedig überreicht werden.

www.raffaellosanzio.org



Bio
Romeo Castellucci zählt zu den stilbildenden und einflussreichsten Theatermachern Europas. Er studierte an der Akademie der Schönen Künste in Bologna, wo er die Fächer Bühnenbild und Malerei belegte. 1981 gründete er in Cesena bei Rimini die Theatercompagnie Socìetas Raffaello Sanzio, benannt nach dem Renaissancemaler. Die Compagnie entwickelte eine bild- und klanggewaltige Bühnenästhetik, die größtenteils ohne Dialoge auskommt und stark suggestiv wirkt. Die minuziös durchkomponierten Bühnenspektakel Castelluccis waren seit Anfang der 90er Jahre auf allen großen Festivals zu sehen und haben die Entwicklungen des europäischen Theaters nachhaltig geprägt. 2003 leitete er die Theatersparte bei der Biennale von Venedig und wurde 2008 als Artiste Associé des Festivals d‘Avignon berufen, wo er regelmässig mit seinen Produktionen zu Gast ist. 
Credits

Konzept und Regie: Romeo Castellucci
Musik: Scott Gibbons
Mit: Gianni Plazzi, Sergio Scarlatella und Dario Boldrini, Vito Matera, Silvano Voltolina
Mitarbeit Bühne: Giacomo Strada
Objektbauten: Istvan Zimmermann, Giovanna Amoroso
Licht: Luciano Trebbi, Fabio Berselli
Ton: Marco Canali, Matteo Braglia
Management: Gilda Biasini, Benedetta Briglia, Cosetta Nicolini
Assistenz-Organisation Valentina Bertolino
Administration: Michela Medri, Elisa Bruno, Simona Barducci
Kaufmännische Beratung: Massimiliano Coli
Produktion: Socìetas Raffaello Sanzio

Koproduktion: Theater der Welt 2010, deSingel international arts campus Antwerpen, Théâtre National de Bretagne Rennes, The National Theatre Oslo, Barbican London and SPILL Festival of Perfor­ mance, Chekhov International Theatre Festival Moskau, Holland Festival Amsterdam, Athens Festival, GREC 2011 Festival de Barcelona, Festival d’Avignon, International Theatre Festival DIALOG Wroclav, BITEF Belgrade International Theatre Festival, spielzeit’europa Berliner Festspiele, Théâtre de la Ville Paris, Romaeuropa Festival, Theatre festival SPIELART München (Spielmotor München e.V.), Le­Maillon, Théâtre de Strasbourg ‒ Scène Européenne, TAP Théâtre Auditorium de Poitiers­Scène Nationale, Peak Performances@Montclair State

Speziellen Dank an: Centrale Fies für das Gastrecht der italienischen Proben

Unterstützung Ministero per i Beni e le Attività Culturali, Regione Emilia Romagna und Comune di Cesena